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Autumn is the new spring

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Der Frühling ist die Jahreszeit der Neuanfänge. Das Leben kriecht aus seinem Winterschlaf, die Luft füllt sich mit zahlreichen Düften, und man spaziert die Straßen entlang und weiß, dass jetzt alles warm und sonnig und endlich gut werden wird.

Doch wir leben in einem Zeitalter voller Veränderungen. Und manchmal ist der Herbst der neue Frühling, manchmal ist er es, der sich fröhlich und siegessicher aufrafft, um die Tage mit Neuanfängen zu überfluten. Denn das tut er gerade.

Normalerweise sammeln sich in einem Autorenalltag die leeren Stunden. Natürlich sind sie nicht wirklich leer, wir füllen sie mit unseren Figuren und Gedanken, mit all unseren Worten, nur können wir das, was uns wirklich beschäftigt, nie realen Menschen vermitteln. Oder nur ein bisschen. Weil die wenigsten realen Menschen ebenfalls Schriftsteller sind, und deshalb funktioniert das Vermitteln lediglich bedingt, in Ausschnitten, und die meisten Sorgen und Freuden und Ärgernisse und Hoffnungen tragen wir allein mit uns herum. Außer, uns ist das seltene Glück vergönnt, auf Gleichgesinnte zu treffen. So teile ich schon seit mehreren Monaten all diese Kleinigkeiten, die meine Tage bestimmen, mit vier weiteren Autorinnen, und nun, da sich der Herbst langsam über das Land streckt, kam uns eine Idee. Eine tolle, bereichernde, spannende Idee, die uns vielleicht mehr Unabhängigkeit bringt, zumindest jedoch jede Menge Spaß und Vorfreude und Sonnenwärme. Bald schon wird sie die ersten Früchte tragen, und dann kann ich auch mehr über sie berichten.

Bis dahin bleibt sie erst einmal etwas, worauf ich mich wirklich sehr, sehr freue. Weil Veränderungen, die man selbst bewirken kann, viel bereichernder sind, als ewig auf etwas zu warten, das nie geschieht.

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Unsichtbare Leben

Menschen werden geboren. Sie bewegen sich durch die Zeit, durch all ihre Jahre, Stunden, manchmal auch nur Minuten, und hinterlassen Spuren in den Leben anderer. Doch was ist, wenn man nicht alle Leben sehen kann? Wenn es zwischen den realen andere gibt, unsichtbare?

Denn manchmal ist es so, dass jemand, eine Schriftstellerin, beispielsweise, auf einer Wiese hockt, im Frühling, der Nachtmittag ist noch ein bisschen frisch, aber die erste Sommerwärme kündigt sich an, die Luft ist ein Versprechen für all die Tage, die noch kommen werden. Diese Schriftstellerin, beispielsweise, beobachtet zwei alte Damen, die zufrieden lächelnd auf einer Bank sitzen, die gar nicht miteinander sprechen, und trotzdem unterhalten sie sich. Oder sie beobachtet zwei ausgelassen über den Rasen tollende Retriever mit noch ganz flauschigem Fell. Eine Familie, die ein Picknick veranstaltet, auf einer Decke lagern Kuchen, Salat, belegte Brötchen und Apfelschorle, der Schulranzen des älteren Kindes ist umgefallen und aufgegangen, doch niemanden stört das.

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Engel der Nacht

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Wir sind die Kinder der Dunkelheit. Sie nennen uns Engel, weil das nach Unschuld klingt, nach etwas, das noch nicht fertig ist. Unberührt, formbar, weich. So stellen sie sich vor, wie wir wären. Wesen der Freiheit.

Wir atmen die Nacht in kalten, feuchten Wölkchen.

Du bist neu hier, das spüren wir. Du bist so still, deine Gedanken sind ein Klumpen aus unzulänglichen Worten. Du spürst die Kälte noch. Oder? Ist es nicht so? Doch es ist nicht die Nacht, die dich erzittern lässt. Merkst du das nicht? Du trägst deine Seele wie einen Umhang um deine Schultern. Sie wärmt dich nicht mehr. Du spürst sie nicht mehr im Rhythmus deines schlagenden Herzens, so wie früher, wie zuvor. Das sind die Erinnerungen, siehst du, wie sie davonfliegen? Schmetterlinge mit gebrochenen Flügeln.

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Wir wollten

Wir haben doch nur, sagt sie, einmal wirklich leben wollen. Wir wollten den Wind in unseren Haaren spüren, wir wollten wissen, wie sich die Sonne tief im Schatten anfühlt, wir wollten schreien und lachen, so dass man es auch am anderen Ende der Welt hört, nur das wollten wir.

Wir wollten uns berühren, bis wir nichts anderes mehr spüren, wir wollten rennen so schnell, dass es unmöglich ist, uns zu folgen, wir wollten im Schlamm graben, wir wollten uns küssen, einen ganzen Tag lang und noch länger, wir wollten Kirschen und Erdbeeren essen, bis wir Bauchschmerzen bekommen, wir wollten mit Rosenblättern werfen, wir wollten in unsere Haut schneiden und zusehen, wie das Blut herausquillt, wir wollten bis zum Grund des Meeres tauchen und noch tiefer, zum Mittelpunkt der Erde vielleicht.

Verstehst du das nicht?

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Die erste Nacht

Und dann ist sie da, die erste Nacht. Sie hat sich angeschlichen, barfuß vermutlich durch hohes Gras, sie hat ein Kichern unterdrückt und bei jedem Schritt leise getanzt.

Die Nacht der Hexen nennt man sie.

Eben noch, das weiß man, das vergisst man nicht, eben noch konnte man das Haus nicht verlassen, ohne eine Jacke überzuziehen, man trug Kohl und Kartoffeln aus dem Supermarkt nach Hause, und im Flur steht der Schlitten, als warte er auf seinen Einsatz.

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