Später

Ich dachte, wir würden uns lieben.

Ich dachte, dein Atem auf meiner Haut bedeutet, dass du bei mir bist.
Ich dachte, deine Stimme am Telefon beweist, dass du an mich denkst.
Ich dachte, dein Blick bezeugt, dass du das siehst, was ich tief in mir trage, nicht das, was alle anderen sehen.

Manchmal irre ich mich.

Manchmal halte ich mich fest an Dingen, die sich nicht festhalten lassen.
Manchmal klammere ich mich an Gefühle, die in Wahrheit niemandem gehören.
Manchmal blicke ich in den Himmel und denke, dass es doch etwas zu glauben gibt, doch die Nacht ist so dunkel, dass jeder Glauben darin verloren geht.

Du sagst, Worte sind zu viel für etwas, das vorbei ist, bevor es begonnen hat.

Du sagst, es gibt immer etwas, das besser ist als das, was man schon hat.
Du sagst, ich solle mich nicht so anstellen. Einfach weitergehen, wie alle anderen es tun.
Du sagst, bald kommt der Regen, bis dahin musst du verschwunden sein.

Du verschwindest.

Wenn Gedanken Farben wären, trüge ich ein dunkles Violett. Es ist nicht schwer, nicht samtig, es ist ganz leicht und schimmert im Licht des Mondes, der immer schmaler wird,
Wenn man alles loslässt, ist es so, als schwebe man, die Füße suchen keine Verbindung zum Boden mehr und auch sonst gibt es nichts, das einen berührt.
Wenn meine Fingerspitzen über feuchtes Gras streichen, hinterlassen sie Spuren darauf, die niemand bemerkt.

Wenn ich still halte, mich nicht bewege, löse ich mich ebenfalls auf in all den Farben und der Dunkelheit.

Man kann stolpern und wieder aufstehen oder liegenbleiben, bis man jemand anderes ist.
Man kann die Stunden zählen, die vergehen und die trotzdem nicht wirklich dagewesen sind.
Man kann Erinnerungen verlieren, doch ich sammle sie auf, jede einzelne, ich stelle sie aus, ich beleuchte sie, ich gebe ihnen Namen.

Ich dachte, ich würde mehr lieben als dich.

Das Flüstern von ernst gemeinten Worten, zum Beispiel.
Den Geruch von Erdbeeren mit Zucker auf dem Balkon.
Das Lachen eines Menschen, der glücklich ist, ohne es zu wissen.

Es könnten auch meine Worte sein. Meine Erdbeeren. Mein Lachen.

Später. Sobald die Sonne wieder scheint.

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2 Kommentare zu „Später“

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