Hinterhofnächte

Im Sommer gehört einem das Leben nicht mehr allein. Man lässt es hinaus auf Kopfsteinpflasterstraßen und in enge Hinterhöfe, es flattert dort munter vor sich hin wie ein Schmetterling, der nie eingefangen wird. Glitzernder Flügelstaub schwirrt durch die Luft, wo niemand ihn sieht, legt sich auf Ahornblätter und Fensterbänke und erst der nächste Regen wäscht ihn davon.

In warmen Sommernächten ist es leicht wachzuliegen und fremden Leben zu lauschen, während sich die eigenen Träume in der Dunkelheit verbergen. Während man wartet, dass der Schlaf einen findet. Dann sind sie ganz nah, die zersprungenen Momente der anderen.

Klappernde Fenster zu verlassenen Räumen.
Verirrte Stimmen aus Mitternachtssendungen.
Gelächter dort, wo Wege sich kreuzen.
Der Geruch von Haschisch.
Das Scheppern von Geschirr bei einer einsamen Mahlzeit.
Warmes Schreibtischlampenlicht und späte Gedanken. Eine Tastatur, nur leise.
Murmelnde Gespräche über verlorene Momente.
Unhörbar dazwischen das Blättern von Seiten, wo jemand in eine andere Welt eintaucht.
Aus der Ferne das Summen der S-Bahn auf kalten Schienen.
Zwei Menschen, die glauben, allein zu sein mit sich und ihren Berührungen.
Die Sehnsucht nach Schokoladentarte und einem vergessenen Abend, irgendwo in Italien.
Ein französisches Lied, sanft und schwebend.

Und dann: die Träume.

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2 Kommentare zu „Hinterhofnächte“

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