Sommergewitter

Etwas bleibt stehen, ganz kurz, der Tag hält den Atem an. Eben noch schmolz das Eis in der Sonne und wir liefen barfuß auf viel zu heißem Asphalt. Einer floh in den Schatten, lachte, blickte nach oben und zeigte in die Ferne. Dunkel war es dort, schwarz. Da kommt Regen, sagte er, und wir schüttelten die Köpfe. Das zieht vorbei. Doch dann kam das Dunkel näher, war über uns, und die Luft lud sich auf, meine Haut kribbelte, ungeduldig. Ich liebe den Moment, wenn der Wind kommt. Wie ein Bote eilte er voraus. Er zerrte die Hitze davon und spielte mit den trockenen Blättern auf dem Boden und ein paar Minuten lang hatte man das Gefühl, die Welt würde untergehen. Auf eine schöne, ruhige Art und Weise.

Wir warteten, wir warteten alle darauf. Doch der Wind zieht davon, es wird still, unspürbar kurz ist alles still.

Dann:
Wasser auf der Haut, in großen, kühlen Tropfen.
Das Licht in der Dunkelheit und Momentaufnahmen auf verzerrte Gestalten, die durch Regenschleier huschen.
Lachen, Rufen.
Leben, das sich von einem Moment auf den nächsten nach drinnen verlagert.

Es ist nicht mehr weit.

Das Café ist voller Menschen mit feuchtem Haar. Ich bleibe im Eingang stehen und blicke noch einmal zurück, nach draußen. Wo das Wasser bereits am Rinnstein entlangläuft und der Geruch des Sommers dunkler geworden ist.

Manchmal, denke ich, wäre es toll, wenn die Welt unterginge. Auf eine schöne, ruhige Art und Weise.

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2 Kommentare zu „Sommergewitter“

    1. Vielleicht sollte ich mal eine Dystopie schreiben. Lese ich zwar selten, aber ich mag Weltuntergangs- und Endzeitfilme.

      Solange ich schön gemütlich irgendwo sicher im Haus sitze und dem Gewitter von dort auch zusehen kann, finde ich das Ganze toll. Erst recht die Blitze. Nur draußen im Ruderboot auf dem See wäre auch nicht so meins …

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