Muschelsammler

Wir haben uns zufällig getroffen, vor wenigen Stunden. Bei Cappuccino und Käsekuchen in einem vergessenen Strandrestaurant weit weg von Sonnenterrassen und weißen Tischdecken. Der Sand wehte auf unsere Teller und knirschte zwischen den Zähnen, ein Kellner mit fleckigem Hemd brachte einen Sonnenschirm, der immer wieder umfiel. Der Kuchen jedoch war saftig und frisch.
Urlaub?, fragte er und ich nickte und wollte nicht reden, hörte aber zu. Und sprach dann doch. Ruhig, leise. Als würde ich von etwas erzählen, das erst noch geschehen muss.

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Fremdverlieben

Besondere Momente zwischen Menschen, wie beschreibt man die? Wie hält man diesen Augenblick fest, in dem etwas Außergewöhnliches zwischen zwei Figuren passiert, etwas, das ihre Beziehung unaufhaltbar auf eine andere Ebene verlagert?

Für alles gibt es Worte. Und wenn einem keine einfallen, erfindet man welche. Oder schreibt einfach, dass es keine Worte gibt, um diesen Augenblick beschreiben zu können.

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Hinterhofnächte

Im Sommer gehört einem das Leben nicht mehr allein. Man lässt es hinaus auf Kopfsteinpflasterstraßen und in enge Hinterhöfe, es flattert dort munter vor sich hin wie ein Schmetterling, der nie eingefangen wird. Glitzernder Flügelstaub schwirrt durch die Luft, wo niemand ihn sieht, legt sich auf Ahornblätter und Fensterbänke und erst der nächste Regen wäscht ihn davon.

In warmen Sommernächten ist es leicht wachzuliegen und fremden Leben zu lauschen, während sich die eigenen Träume in der Dunkelheit verbergen. Während man wartet, dass der Schlaf einen findet. Dann sind sie ganz nah, die zersprungenen Momente der anderen.

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Sommergewitter

Etwas bleibt stehen, ganz kurz, der Tag hält den Atem an. Eben noch schmolz das Eis in der Sonne und wir liefen barfuß auf viel zu heißem Asphalt. Einer floh in den Schatten, lachte, blickte nach oben und zeigte in die Ferne. Dunkel war es dort, schwarz. Da kommt Regen, sagte er, und wir schüttelten die Köpfe. Das zieht vorbei. Doch dann kam das Dunkel näher, war über uns, und die Luft lud sich auf, meine Haut kribbelte, ungeduldig. Ich liebe den Moment, wenn der Wind kommt. Wie ein Bote eilte er voraus. Er zerrte die Hitze davon und spielte mit den trockenen Blättern auf dem Boden und ein paar Minuten lang hatte man das Gefühl, die Welt würde untergehen. Auf eine schöne, ruhige Art und Weise.

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Wortlos

Es gibt diese Tage, an denen man wartet. Eine Tasse Tee (mit Honig) oder ein Glas Wasser auf dem Tisch, noch der Rest des Frühstücksbrotes direkt daneben. Frühstück, um wie viel Uhr? Manchmal schalte ich morgens gleich den Laptop an und dann vergesse ich auch ein oder zwei Stunden lang, dass ich noch nichts gegessen habe. Selbst an Tagen wie diesem. Heute. Einem Tag ohne Worte.

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